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Gesundheit

Ein Ausschnitt aus „Das schmutzige Dutzend: Häufigkeit von Erbkrankheiten beim Australian Shepherd“
veröffentlicht im Australian Shepherd Jahrbuch (2000) von C.A. Sharp - Übersetzung von Dr. Silke Sandberg

(1) KATARAKTE
sind eindeutig die am weitesten verbreiteten der verschiedenen Augenkrankheiten der Rasse.
Nicht alle Katarakte sind erblich und deshalb ist es wichtig, dass der Hund von einem qualifizierten Tierarzt
untersucht wird, der auf Augenkrankheiten spezialisiert ist. Jeder Katarakt, der sich auf der hinteren Linsenrinde
oder unterhalb der Linsenrinde befindet, sollte als hochverdächtig angesehen werden.
Hat der Hund einen bilateralen (d.h. auf beiden Augen) Katarakt in diesen Bereichen, die mit der Zeit, wenn auch langsam, fortschreiten, sollten sie als erblich betrachtet werden. Manch andere Typen sind möglicherweise auch erblich, aber sie werden nicht so häufig beobachtet. Die meisten betroffenen Aussies weisen in einem Alter von 2-3 Jahren die ersten Anzeichen auf.
Allerdings können erbliche Katarakte schon in einem Alter von 1 Jahr oder erst mit 7 oder 8 Jahren auftreten. Es ist wichtig, seinen Hund jährlich von einem Augenspezialisten untersuchen zu lassen, so dass Katarakte so früh wie möglich entdeckt werden.
Die Ergebnisse sollten bei CERF hinterlegt werden. Auch hier gibt es für ererbten Katarakt (HSF4) mittlerweile einen Gentest!


(2) ZAHNFEHLER
(Fehlstellung des Gebisses und fehlende Zähne) kommen nach Katarakten an zweiter Stelle.
Glücklicherweise haben sie bei den meisten Hunden keinen nennenswerten Einfluss auf die Gesundheit, aber sie stellen einen schweren Fehler des Körperbaus dar und sollten nicht übersehen werden. Einst selten, sind fehlende Zähne nun in manchen Linien häufig und zwar größtenteils deshalb, weil dies oft als unwichtig abgetan wurde.
Gebissfehler - Überbiss, Unterbiss oder Schiefmaul - begegnen den meisten langjährigen Züchtern irgendwann einmal.
Die Vererbung all dieser Fehler erfolgt wahrscheinlich polygen, was dazu führt, dass sie nur schwer auszuzüchten sind und mit hoher Wahrscheinlichkeit schlimmer werden, wenn man weiterhin gleichgültig dem gegenüber bleibt.
Da man keine Spezialuntersuchung braucht, um sie zu entdecken, sollte jeder Züchter genaue Aufzeichnungen über den Zahnstatus eines jeden seiner Hunde und deren Verwandten führen, ehe sie in der Zucht eingesetzt werden.


(3) AUTOIMMUNERKRANKUNGEN
Diese Klasse von Krankheiten sind in den letzten Jahrzehnten beim Aussie wie aus dem Nichts aufgetaucht.
Sie werden als eine Gruppe betrachtet, weil Individuen, die an einer davon leiden, möglicherweise weitere entwickeln und weil es nicht ungewöhnlich ist, dass unterschiedliche Autoimmunerkrankungen in einer einzelnen Verwandtschaftsgruppe vorkommen.
Die, die beim Aussie am häufigsten vorkommen sind Thyroiditis, Lupus (discoides und erythematodes) und generalisierte Demodikose.
Es gibt genetische Veranlagungen für diese Erkrankungen, aber der tatsächliche Ausbruch wird durch Umweltfaktoren ausgelöst.


(4) HÜFTDYSPLASIE
wurde erstmals in den frühen 1970ern beim Aussie festgestellt. Trotz der Tatsache, dass viele Züchter schon
seit Generationen darauf untersuchen lassen, bleibt sie aufgrund ihrer komplexen Vererbung (polygen mit Beeinflussung durch Umweltfaktoren) ein regelmäßig beobachtetes Problem. Die meisten schweren Fälle sind stark beeinträchtigend und schmerzhaft.
Da sowohl Routineuntersuchungen als auch zentrale Auswertestellen verfügbar sind, sollten alle Aussies, die für die Zucht vorgesehen sind, untersucht und die Ergebnisse zur Auswertung eingeschickt werden, unabhängig davon, ob die Hüften in Ordnung sind oder nicht. In Linien, in denen HD häufig vorkommt, vermittelt die Untersuchung auch von Tieren, die nicht in die Zucht gehen, ein besseres Bild davon, welche Zuchttiere stärker mit HD-Genen belastet sind.


(5) EPILEPSIE
ist wahrscheinlich die erschreckendste Krankheit, der ein Aussie-Züchter oder Halter unter Umständen begegnet.
Einst selten, häufen sich Berichte von daran erkrankten Hunden mehr und mehr. Zurzeit gibt es keinen Test für diese Krankheit, die üblicherweise im Alter von 1,5 bis 3 Jahren auftritt, aber auch früher oder später vorkommen kann. Der jüngste gesicherte Fall primärer (erblicher oder idiopatischer) Epilepsie, die der Autorin bekannt ist, war 8 Monate alt.
Da Krampfanfälle aus verschiedenen Gründen auftreten können, ist es absolut notwendig, dass jeder Hund mit Krampfanfällen sorgfältig von einem Veterinär untersucht und getestet wird. Primäre Epilepsie verursacht während des gesamten Lebens des Hundes sich wiederholende Anfälle. Unbehandelt werden sie meist häufiger und/oder schwerer. Manche erkrankte Hunde werden zumindest für eine Weile durch Medikamente am Leben erhalten, andere sterben. Die zunehmende Häufigkeit dieser Krankheit wird durch die Leute verstärkt, die sich weigern zu akzeptieren, dass sie verebt wird (auch wenn der Erbgang noch immer nicht klar ist), oder die über
ihr Vorhandensein hinwegtäuschen.


(6) IRISKOLOBOM
ist der am zweithäufigsten beobachtete Augendefekt. Betroffene Hunde werden mit einer Iris geboren, der ein Stück fehlt. Diese Erkrankung kommt meist einseitig vor und fast immer sind Merles betroffen. Er war einst ziemlich selten, wurde aber weit verbreitet durch die Zucht mit erkrankten Individuen und der Einstellung mancher Züchter, dass das unwichtig sei.
In den meisten Fällen ist die Beeinträchtigung der Sehkraft unbedeutend, auch wenn große Kolobome zu einer Überempfindlichkeit gegenüber hellem Licht führen können. Iriskolobome sollten bei der ersten Augenuntersuchung des Hundes entdeckt werden.
Bei erweiterten Pupillen jedoch werden kleine Kolobome manchmal übersehen.


(7) ALLERGIEN
Eine beträchtliche Anzahl von Aussie-Besitzern klagen über Allergien bei ihren Hunden. Zu einem gewissen Grad
mag das auf die beträchtliche Aufmerksamkeit zurück zu führen sein, die Allergien in den Massenmedien genießen, und die Besitzer zur Selbstdiagnose (und manchmal auch Behandlung) von Problemen verleitet, die womöglich gar keine Allergien sind.
Trotzdem gibt es in der tierärztlichen Datensammlung eine ausreichend große Zahl von Hunden, bei denen Allergien diagnostiziert wurden, dass es offensichtlich ist, dass Züchter diesem speziellen Gesundheitsproblem mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.
Allergien haben wahrscheinlich eine genetische Disposition, aber Umweltfaktoren spielen eine größere Rolle bei ihrer Entwicklung.


(8) KREBS
war in Armstrongs Studie zur Langlebigkeit von Rassen die am häufigsten festgestellte natürliche Todesursache.
Die Daten von Hunden vergangener Jahrzehnte zeigten, dass die meisten Todesfälle durch Krebs bei Älteren Hunden vorkamen.
Allerdings gibt es einen historischen Trend zu Krebstod in jüngerem Alter. Der Autorin ist nicht bekannt, dass eine bestimmte Krebsart vorherrscht gegenüber Anderen. Eine rassespezifische Krebsumfrage wäre sehr angebracht.


(9) Die PERSISTIERENDE PUPILLARMEMBRAN
wird manchmal bemerkt, wenn junge Hunde untersucht werden. Zu dieser Zeit ist sie
möglicherweise nicht signifikant; viele PPMs werden resorbiert. Für den Zweck dieses Artikels verwarf die Autorin CERF-Daten von Hunden unter 6 Monaten. Wenn die PPM bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt, sollte sie als erblicher Defekt betrachtet werden. Auch wenn die PPMs häufig gutartig sind, können sie die Sicht beeinträchtigen oder eine zur Blindheit führende Trübung von Linse und Hornhaut verursachen.


(10) DISTICHIASIS
die Anwesenheit von anormalen Augenwimpern, die in Richtung Auge wachsen, ist noch eine weitere Krankheit,
die aufgrund der Nichtbeachtung der Züchter in ihrer Häufigkeit zunimmt. Angesichts der Tatsache, dass sie beim betroffenen Hund dauerndes Unbehagen oder Schmerz verursachen kann und unbehandelt möglicherweise zu einer schweren Hornhautreizung führt, hat sie tatsächlich einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit. Die Art der Vererbung ist unbekannt.


(11) KRYPTORCHISMUS
Die Autorin war überrascht, bei der letzten Gesundheitsumfrage zu entdecken, dass eine signifikante Anzahl
von Leuten angab, Besitzer oder Züchter von Rüden mit nicht abgestiegenen Hoden zu sein (Kryptorchid, Einhoder).
Nicht abgestiegene Hoden können keine lebenden Spermien produzieren und haben ein signifikant erhöhtes Risiko, Hodenkrebs zu entwickeln. Kryptorchismus ist polygen und die Gene können, auch wenn er nur auf ein Geschlecht beschränkt ist, durch Rüden und durch Hündinnen übertragen werden.


(12) COLLIE EYE ANOMALY
hat in der Häufigkeit ihres Auftretens in den letzten Jahrzehnten abgenommen, was wahrscheinlich an den
Bemühungen von Züchtern mit davon betroffenen Linien liegt, diese Krankheit zu eliminieren, seit ihr einfach rezessiver Erbgang bekannt war.
CEA kann bei der ersten Augenuntersuchung des Welpen entdeckt werden.
Ist der Hund 8 Wochen alt oder älter wird sie möglicherweise aufgrund des 'go normal'-Phänomens übersehen. Es muss angemerkt werden, dass die so genannten 'go normals' davon nicht unbetroffen sind, nur können sie bei einer Augenuntersuchung nicht mehr richtig diagnostiziert werden. CERF-Statistiken zeigen an, dass etwa 1% der Aussies an CEA erkrankt sind. Das beinhaltet, dass immerhin 18% wahrscheinlich Träger sind.
Für diese Erkrankung ist mittlerweile ein Gentest vorhanden!